DAS K3 WIRD DEUTLICH GRÖSSER

„Eine echte Chance für Winterlingen“: Das Theater K3 wird deutlich größer
von Martin Kistner 24.09.2025 – 18:49 Uhr, Schwarzwälder Bote

Das derzeitige Domizil des K3 wird umgebaut; das Theater muss so lange ins Exil. Es darf jedoch nach dem Umbau zurückkehren – und hat dann mehr als doppelt so viel Platz.

Die gute Nachricht zuerst: „Wir verbessern uns“, sagt K3 Intendantin Evelin Nolle-Rieder. Derzeit nutzt das K3 230 Quadratmeter im Erdgeschoss eines mäßig attraktiven Gebäudequaders in der Wilhelm-Bihler-Straße; wenn dessen Umbau abgeschlossen ist, stehen ein Stockwerk tiefer, im Souterrain, fast 600 Quadratmeter zur Verfügung, zusätzlicher Platz für den derzeit ausquartierten Fundus, für ein Lager, für Workshops, Konferenzen und Versammlungen aller Art. Schöne Aussichten, keine Frage.

Jetzt die etwas weniger guten Nachrichten: Der Weg in diese vielversprechende Zukunft dürfte lang und beschwerlich werden. Das derzeitige Geschäftshaus, weiß Nolle-Rieder, wird vollständig entkernt und in ein Wohnhaus umgebaut. Die anderen bisherigen Mieter sind bereits draußen, das K3 kann noch bis Ende des Jahres bleiben, doch was der Programmflyer für 2026 ankündigt, ist, zumindest so weit es die Örtlichkeiten betrifft, Makulatur: Im Januar werden Strom und Wasser abgestellt, und dann muss das K3 raus.

Und zwar mit allem, was es an Mobiliar besitzt: Klappstühlen, Bühne, Technik, sonstigem Mobiliar und Einbauten – was irgend weitergenutzt werden kann, wird eingemottet. Das K3 hat nichts zu verschenken; betrüblich genug, dass der Teppichboden und die darunterliegenden Fermacellplatten nicht mitkönnen.

Sorge bereitet Nolle-Rieder naturgemäß auch die Zwischenlagerung des Inventars: Das meiste wird die Interimszeit zwischen Aus- und Wiedereinzug im notdürftig gegen Feuchtigkeit geschützten Container verbringen. Für die teure Bühnentechnik kommt diese Lösung nicht in Betracht; für die hat Nolle-Rieder geschlossene Räume gefunden.

Für die Exilzeit ist Improvisieren gefragt

Danach beginnt das Exil – jetzt ist Improvisationskunst gefragt. Das Kino ist ebenso gesetzt wie die „Flickwerkstatt“, die erst einmal in der Realschule logiert. Für das Kindertheater wird ein Ausweichquartier gesucht, das Stück „NEINhorn“ siedelt in den Musiksaal der Grundschule über. Auf Eis gelegt werden muss zum Leidwesen Nolle-Rieders die Monats-Soap „Frauen-WG“ – sie wird bis zur Rückkehr in die eigenen vier Wände pausieren.

Wann steht diese Rückkehr an? Wenn beim Umbau nichts dazwischen kommt – doch erfahrungsgemäß kommt immer etwas dazwischen – , könnte das K3 in einem Jahr seine neuen, größeren Räume im Untergeschoss beziehen. Wobei sowohl beim Aus- als auch beim Einzug viel Eigenarbeit wartet und jede helfende Hand willkommen ist. Eigenarbeit bedeutet natürlich auch, dass sich die Neuansiedlung in die Länge ziehen wird – Evelin Nolle-Rieder schätzt, dass es bis Mitte 2027 dauern wird, ehe das K3 in seiner neuen Heimat wirklich angekommen ist.

Kapazität in Sachen Fundraising

Und dann gibt es noch ein Problem: Zum Nulltarif sind Vergrößerung und Verbesserung nicht zu haben. Evelin Nolle-Rieder, eine Kapazität in Sachen Fundraising, wird keine Fördermöglichkeit auslassen, aber in Zeiten der klammen Kassen dürfte selbst ihr die Überzeugungsarbeit schwer fallen. Den Schul-, Kultur- und Sozialausschuss des Kreistags hat sie bereits konsultiert (siehe Info); ob sie an Landes- oder gar Bundesmittel herankommt, wird nicht zuletzt von der Kulanz des Kreises abhängen, denn ohne kommunale Beteiligung geht wohl nichts.

Mit den Baukosten ist es noch nicht getan

Aber auch an private Stiftungen ist gedacht – die „Aktion Mensch“ könnte beispielsweise einen finanziellen Beitrag zur Realisierung der Barrierefreiheit leisten.

Aber die Baukosten sind ja noch nicht alles – mit der Nutzfläche wächst auch die Miete. Das K3 will deshalb möglichst viele Partner, etwa die Winterlinger Vereine, ins Boot holen, um die neuen Räume möglichst intensiv zu nutzen – die Schlagzahl muss steigen, und die der ehrenamtlichen Helfer – und nach Möglichkeit auch der Vereinsmitglieder – ebenfalls. Doch das ist nur ein Motiv für die Öffnung: Evelin Nolle-Rieder sieht das K3 als einen Ort der Integration, wo die Winterlinger zusammenkommen und zusammenfinden könnten. „Eine ganz große Chance“, sagt sie.

Diese Chance zu ergreifen wird nicht ganz einfach – aber davon lässt sich Nolle-Rieder nicht beeindrucken. „Wenn ich Helfer für den Bau eines Schiffs gewinnen will, dann rede ich doch nicht nur davon, wie mühsam das Kalfatern ist. Nein, dann erzähle ich zuerst einmal vom Meer.“

Auftritt im Kreisausschuss

Evelin Nolle-Rieder
hat am Montag im Schul-, Kultur- und Sozialausschuss des Kreistages gebeten, der Landkreis möge das K3 während der Zeit des Umbaus und danach finanziell unterstützen: Jeweils 10000 Euro würden 2026 und 2027 als Investitionszuschuss benötigt, und in der Folge ein jährlicher Betriebskostenzuschuss von 5000 Euro. Sie wies auch darauf hin, dass Land und Bund ihre Förderung an die Bedingung knüpften, dass auch die kommunale Ebene Mittel zuschieße. Ob der Kreis den Wunsch erfüllt, bleibt abzuwarten. Günther Meinhold (CDU) dankte Nolle-Rieder und dem K3-Team für ihre Arbeit und befürwortete eine weitere Förderung; Erik Wille von der AfD sprach sich gegen Nolle-Rieders Antrag aus und unterstellte dem K3 „inoffizielle Wahlhilfe“ – wohlgemerkt nicht zu Gunsten seiner Partei. Caspar Spindler (FDP) sieht in erster Linie die Gemeinde Winterlingen in der Pflicht und nicht den Kreistag. „Es sind zwar nur 10 000 Euro, aber diese Summen läppern sich.“ Da müsse man priorisieren.

29.12.2025